
Seit dem 1. Januar 2026 hat die Schweizer Pflege eine neue gemeinsame Heimat: alliance care, den ersten Dachverband für alle in der Pflege tätigen Personen. Gegründet wurde der Verband an der Delegiertenversammlung vom 18. Juni 2025 vom SBK und einigen Fachverbänden. Für Pflegende bedeutet das mehr als nur eine neue Organisation auf dem Papier – es geht um eine stärkere gemeinsame Stimme, schweizweit einheitliche Leistungen und eine klarere Heimat für alle Berufsgruppen. In diesem Beitrag erfahren Sie, was sich konkret für Sie ändert.
Was ist alliance care – und warum jetzt?
alliance care versteht sich als Dachverband für alle in der Pflege tätigen Personen in der Schweiz. Rechtlich ist der Verband als Verein organisiert: Die Exekutive bildet der sogenannte Pflegerat (der Vorstand), die Legislative ist die Delegiertenversammlung. Für das operative Geschäft sorgt eine eigene Betriebsorganisation – die Geschäftsstelle –, die ihre Dienstleistungen über Leistungsvereinbarungen für die angeschlossenen Verbände erbringt.
Ein zentraler Treiber hinter alliance care ist die Umsetzung der Pflegeinitiative («Volksinitiative für eine starke Pflege»). Mit einer gebündelten Organisation will die Pflege mit einer Stimme auftreten – gegenüber der Politik, den Arbeitgebern und der Öffentlichkeit. Geführt wird der Verband von einem Direktorium mit Yvonne Ribi (Geschäftsführende Direktorin, weiterhin auch SBK-Geschäftsführerin), Miriam Rittmann (Direktorin Pflege Schweiz), Christina Schumacher (Direktorin Memberservices) und Lars Längauer (Direktor Zentrale Services). Das interne Transformationsprojekt trägt den Namen «Futuro».
Eine Heimat für alle Berufsgruppen – vom Diplom bis zur Pflegehilfe
Unter dem Dach von alliance care versammeln sich mehrere Verbände und Interessengruppen. Dazu gehören der SBK (Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner), die Freiberuflichen im Verband curacasa, der neue Verband swiss hca sowie zahlreiche Fachverbände wie die SIGA/FSIA.
Besonders relevant ist die Gründung von swiss hca im September 2025. Dieser Verband ist die assoziative Heimat für Pflegende ohne Diplom auf Tertiärstufe – also für FaGe, AGS und Pflegehelfende. Damit schliesst sich eine Lücke: Auch jene Berufsgruppen, die bislang weniger stark organisiert waren, finden nun eine klare Vertretung. Wer als FaGe oder AGS arbeitet, gehört jetzt zu einer Gemeinschaft, die ihre Anliegen national einbringt.
Der SBK selbst bleibt als Berufsverband der diplomierten Pflegefachpersonen bestehen – neu als einstufiger nationaler Verband. Die meisten Sektionen fusionieren per Ende 2025, die Sektionen BS/BL und BE folgen im Jahr 2026, mit der Sektion VD laufen die Verhandlungen noch.
Schweizweit gleiche Leistungen – unabhängig von Wohn- und Arbeitsort
Eine der spürbarsten Neuerungen betrifft die Mitgliederleistungen. Diese sind ab 2026 schweizweit gleich – unabhängig davon, in welchem Kanton Sie wohnen oder arbeiten und in welcher Landessprache. Erbracht werden sie neu von alliance care im Auftrag des SBK und der anderen Verbände.
Konkret umfassen die Leistungen:
- Rechtsberatung und Rechtsschutz – Unterstützung bei arbeitsrechtlichen Fragen rund um Ihre Anstellung.
- Die Fachzeitschrift «Krankenpflege» mit Branchenwissen und aktuellen Entwicklungen.
- Ein wachsendes Weiterbildungsangebot.
- Voller Einsatz bei GAV-Verhandlungen und politische Interessenvertretung in allen Kantonen.
Für SBK-Mitglieder gibt es zudem eine erfreuliche Nachricht: Sie erhalten ab 2026 ohne Aufpreis die Mitgliedschaft bei alliance care im Wert von 36 Franken dazu.
Was das für Lohn, GAV und Arbeitsbedingungen bedeutet
Für Ihren Berufsalltag dürfte vor allem der Einfluss auf Lohn und Arbeitsbedingungen interessant sein. alliance care setzt sich in allen Kantonen für die politische Interessenvertretung der Pflege ein und engagiert sich voll bei den Verhandlungen über Gesamtarbeitsverträge (GAV).
Der Grundgedanke ist einfach: Eine gebündelte Organisation, die für diplomierte Pflegefachpersonen, FaGe, AGS, Pflegehelfende und Freiberufliche gemeinsam spricht, verfügt über mehr Gewicht am Verhandlungstisch. Statt fragmentierter Auftritte einzelner Verbände steht künftig eine koordinierte Stimme hinter den Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen. Da die Leistungen und die Interessenvertretung nun in allen Kantonen einheitlich erfolgen, profitieren Pflegende unabhängig von ihrem Standort vom gleichen Engagement.
Weiterbildung neu organisiert
Auch bei der Weiterbildung gibt es eine wichtige Veränderung. Weiterbildungen werden neu von alliance care organisiert – früher lag diese Aufgabe bei den Sektionen. Zusätzlich bieten auch die Gliedverbände wie SIGA/FSIA, swiss hca oder curacasa eigene Weiterbildungen an.
Für Sie heisst das: ein breiteres, koordiniertes Angebot, das nicht mehr vom Zufall des Wohnorts abhängt. Gerade in einem Beruf, in dem fachliche Aktualität entscheidend ist, ist der einfache Zugang zu Weiterbildungen ein klarer Vorteil – sowohl für die persönliche Entwicklung als auch für die nächsten Schritte auf dem Stellenmarkt.
Integrale Mitgliedschaft: Was sich ab 2027 ändert
Ein Blick nach vorne lohnt sich. alliance care arbeitet am Konzept der sogenannten integralen Mitgliedschaft. Die Idee dahinter: Die Verbände stimmen ihre Leistungen aufeinander ab und vermeiden Doppelspurigkeiten. Mitglieder sollen ab 2027 passgenau jene Leistungen wählen können, die zu ihrer Situation passen – eine Basis-Mitgliedschaft plus individuelle Zusatzleistungen.
Das Konzept wird im ersten Halbjahr 2026 ausgearbeitet, und viele Fachverbände stimmen erst im Frühjahr 2026 über ihren Beitritt ab. Die Einführung ist für 2027 vorgesehen. Wer also heute Mitglied ist, kann sich darauf einstellen, künftig flexibler und bedarfsgerechter von den Angeboten zu profitieren.
Präsenz und Kontakt
alliance care ist in der ganzen Schweiz präsent. Die Zentrale befindet sich an der Choisystrasse 1, 3008 Bern. Regionale Standorte gibt es unter anderem in Lausanne, Bellinzona, Zürich/Schwerzenbach und St. Gallen, und in allen Kantonen stehen kantonale Verantwortliche zur Verfügung.
Fazit: Mehr Gewicht für die Pflege
Mit alliance care erhält die Schweizer Pflege seit Januar 2026 eine gemeinsame, schlagkräftige Stimme – mit schweizweit einheitlichen Leistungen, einer klaren Heimat auch für FaGe, AGS und Pflegehelfende sowie einem koordinierten Engagement bei GAV-Verhandlungen und Weiterbildung. Für Sie als Pflegefachperson bedeutet das mehr Unterstützung, mehr Transparenz und mehr Einfluss auf Ihre Arbeitsbedingungen.