Karrierewege: Von der FaGe zur Dipl. Pflegefachfrau HF/FH

Pflegefachpersonal Publiziert 02/04/2026

Wer die dreijährige Lehre als Fachfrau oder Fachmann Gesundheit (FaGe) EFZ in der Schweiz erfolgreich abschliesst, hat einen der intensivsten und gefragtesten Grundberufe des Landes erlernt. Sie beherrschen die Grundpflege, medizinaltechnische Verrichtungen und kennen den hektischen Alltag im Spital oder Heim in- und auswendig.

Doch nach einigen Jahren im Beruf stellen sich viele FaGes die gleiche Frage: "War das schon alles?" Der Wunsch nach mehr Verantwortung, komplexeren medizinischen Aufgaben und – nicht zuletzt – einem höheren Lohn wird lauter. Der logische und vom Schweizer Bildungssystem stark geförderte nächste Schritt ist die Ausbildung zur Diplomierten Pflegefachperson. Doch hier gabelt sich der Weg: Höhere Fachschule (HF) oder Fachhochschule (FH)? Wir schlüsseln die beiden Optionen auf.

Was ändert sich auf dem Diplom-Niveau?

Bevor wir die Bildungswege betrachten, muss geklärt werden, wie sich der Berufsalltag verändert. Als FaGe führen Sie Aufgaben oft im Auftrag oder nach klaren Standards aus. Als Dipl. Pflegefachperson wechseln Sie in die Rolle der "Architektin" des Pflegeprozesses.

Pflegeprozesssteuerung: Sie erfassen komplexe Patientensituationen, stellen Pflegediagnosen und planen die Massnahmen.

Klinisches Assessment: Sie werten Vitalzeichen und Labordaten vertieft aus und leiten bei Notfällen selbstständig erste Schritte ein.

Führung und Mentoring: Sie delegieren Aufgaben an FaGes oder AGS (Assistent/in Gesundheit und Soziales) und begleiten Lernende.

Route 1: Die Höhere Fachschule (HF) – Der praxisnahe Weg

Der Weg über die HF ist die beliebteste Option für FaGes, die schnell und praxisorientiert aufsteigen wollen. Die Ausbildung ist extrem stark an den Berufsalltag gekoppelt.

Die Voraussetzungen: Ein FaGe-EFZ reicht aus (keine Berufsmaturität zwingend erforderlich).

Der FaGe-Vorteil: Weil Sie bereits das EFZ als FaGe haben, können Sie die reguläre dreijährige HF-Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen.

Das Modell: Sie arbeiten in der Regel mit einem Ausbildungsvertrag bei einem Arbeitgeber (z.B. Spital oder Spitex) und besuchen blockweise die Schule.

Der Lohn während der Ausbildung: Ein massiver Pluspunkt. Sie erhalten einen Ausbildungslohn, der Ihre Lebenshaltungskosten deckt (im verkürzten Studium meist deutlich höher als ein normaler Lehrlingslohn).

Für wen ist das geeignet?

Für Macherinnen und Macher, die ihr praktisches Können mit tieferem medizinischem Wissen untermauern wollen und möglichst schnell das Diplom in den Händen halten möchten.

Route 2: Die Fachhochschule (FH) – Der akademische Weg

Der Weg über die FH schliesst mit dem Bachelor of Science in Nursing (BScN) ab. Hier weht ein akademischer Wind. Es geht nicht nur um das "Wie", sondern stark um das wissenschaftlich fundierte "Warum" (Evidence-based Nursing).

Die Voraussetzungen: FaGe-EFZ plus eine abgeschlossene Berufsmaturität (BMS) oder Fachmaturität.

Die Dauer: Vollzeit meist drei Jahre, berufsbegleitend vier Jahre (oft keine Verkürzung für FaGes möglich, da das akademische Fundament neu aufgebaut wird).

Das Modell: Es ist ein klassisches Studium. Sie zahlen Semestergebühren. Zwar gibt es Praktika, aber der Fokus liegt auf Vorlesungen, Forschung und dem Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten.

Für wen ist das geeignet?

Für FaGes, die analytisch denken und sich Türen für die Zukunft offenhalten wollen – etwa für einen Master (MScN), die Rolle als Advanced Practice Nurse (APN), Führungspositionen oder die Pflegeforschung.

Der Kassensturz: Lohnt sich der Aufstieg?

Kurze Antwort: Ja, und zwar massiv. Der Schweizer Arbeitsmarkt honoriert das Pflege-Diplom deutlich.

Während eine frisch diplomierte FaGe im Jahr 2026 meist mit einem Basislohn von CHF 4'600.– bis CHF 4'900.– brutto startet, liegt der Einstiegslohn einer Dipl. Pflegefachperson HF/FH (ohne Zulagen) in den meisten Kantonen zwischen CHF 5'800.– und CHF 6'200.–.

Auf ein Jahr hochgerechnet (inkl. 13. Monatslohn) bedeutet das einen Gehaltssprung von rund 15'000 bis 20'000 Franken. Die (verkürzte) HF-Ausbildung amortisiert sich finanziell somit meist schon nach weniger als zwei Jahren im neuen Job.

Fazit: Der Mut zum nächsten Schritt

Egal, ob Sie sich für den praxisorientierten HF-Weg oder das akademische FH-Studium entscheiden: Der Schweizer Gesundheitsmarkt wartet auf Sie. Die Branche leidet an einem akuten Mangel an diplomierten Pflegefachkräften. Eine FaGe, die den Schritt zum Diplom wagt, kombiniert unbezahlbare Basis-Erfahrung in der Grundpflege mit neuem Expertenwissen. Das macht Sie für Spitäler, Heime und Spitex-Organisationen zur absoluten Wunschkandidatin.