
Sie sind die ersten Ansprechpartner für Patienten, die Organisationstalente im Hintergrund und die unverzichtbaren Hände in der Pflege und Diagnostik: Fachfrauen/-männer Gesundheit (FaGe) und Medizinische Praxisassistentinnen (MPA). Lange Zeit litten diese Berufe unter dem Ruf, "viel Herzblut, aber wenig Lohn" zu bieten. Im Jahr 2026 hat sich das Blatt jedoch spürbar gewendet. Der Fachkräftemangel ist in Spitälern, Pflegeheimen und Arztpraxen allgegenwärtig, was die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer massiv gestärkt hat.
Doch wer verdient eigentlich mehr? Der Blick auf die nackten Zahlen der Lohntabellen 2026 ist spannend, erzählt aber nur die halbe Wahrheit, da Arbeitszeiten und Zulagen das Bild verzerren. Wir machen den Kassensturz.
FaGe: Der Preis der Flexibilität
Die Fachfrau / der Fachmann Gesundheit EFZ ist in der Regel in Institutionen tätig, die rund um die Uhr laufen: Spitäler, Alters- und Pflegeheime oder die Spitex. Dieser Umstand prägt das Gehaltsgefüge massiv.
Im Jahr 2026 liegt der Einstiegslohn für eine frisch diplomierte FaGe (direkt nach der Lehre, ca. 20 Jahre alt) in den Deutschschweizer Kantonen meist zwischen CHF 4'600.– und CHF 4'950.– brutto (x 13). Mit fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung klettert dieser Basislohn auf Werte zwischen CHF 5'400.– und CHF 6'100.–.
Das ist jedoch oft nicht der Betrag, der am Ende auf dem Konto landet. Da FaGes im Schichtbetrieb arbeiten, kommen die sogenannten Inkonvenienz-Zulagen hinzu. Nachtdienste, Wochenendarbeit und Pikettdienste werden zusätzlich vergütet – entweder durch Zeitzuschläge oder monetär. Eine FaGe, die bereit ist, regelmässig Nächte und Wochenenden zu übernehmen, kommt so real oft auf ein deutlich höheres Monatseinkommen als ihre Kollegin in der Arztpraxis. Der Preis dafür ist jedoch eine höhere körperliche Belastung und ein weniger planbares Sozialleben. Besonders die Spitex zahlt 2026 oft überdurchschnittlich gut, um Personal für die ambulante Pflege zu gewinnen.
MPA: Geregelte Zeiten, aber (oft) tieferer Basislohn
Die Medizinische Praxisassistentin EFZ arbeitet klassisch in einer Arztpraxis oder einem Ambulatorium. Ihr grosser Vorteil ist die "Bürozeit": Keine Nachtschichten, freie Wochenenden und Feiertage sind die Norm. Diese hohe Lebensqualität ("Work-Life-Balance") spiegelt sich traditionell in einem etwas tieferen Lohn wider, da die Zuschläge wegfallen.
Doch der Markt für MPAs ist 2026 fast leergefegt. Ärzte müssen tiefer in die Tasche greifen, um gutes Personal zu finden. Der Einstiegslohn für eine MPA bewegt sich aktuell zwischen CHF 4'400.– und CHF 4'800.–. Erfahrene MPAs verdienen im Schnitt zwischen CHF 5'200.– und CHF 5'800.–.
Ein wichtiger Unterschied zur FaGe: MPAs werden oft direkt von den Ärzten (KMU) angestellt und unterliegen keinem starren kantonalen Lohnreglement wie Spitalangestellte. Das bedeutet: Hier ist das Verhandlungsgeschick entscheidend. In grossen Gruppenpraxen oder Ärztezentren sind die Löhne tendenziell höher als beim Einzelkämpfer-Hausarzt auf dem Land. Zudem bieten immer mehr Praxen Leistungsboni oder eine Beteiligung am Umsatz (z.B. bei Röntgen/Labor) an, um Attraktivität zu schaffen.
Der regionale Graben
Wie in allen Branchen in der Schweiz ist der Wohnort entscheidend. Die genannten Zahlen gelten für das Mittelland und die Ostschweiz.
- Zürich, Zug, Genf: Hier liegen die Löhne für beide Berufe rund 10–15 % höher. Eine erfahrene FaGe kann in Zürich inklusive Zulagen durchaus die 7'000er-Marke knacken. Allerdings fressen die Mieten diesen Vorsprung oft auf.
- Ländliche Regionen: Hier liegen die Löhne am unteren Ende der Skala, dafür sind die Lebenshaltungskosten moderater.
Karriere-Booster: Weiterbildung
Das Jahr 2026 zeigt deutlicher denn je: Spezialisierung lohnt sich. Wer auf dem Basis-Diplom EFZ stehenbleibt, erreicht irgendwann eine Lohnobergrenze ("Plafond").
Für die MPA ist die Weiterbildung zur Medizinischen Praxiskoordinatorin (MPK) der effektivste Weg zu mehr Lohn. Mit eidgenössischem Fachausweis übernehmen MPKs Führungsaufgaben, Personalplanung und Abrechnungswesen (TARMED/TARDOC). Hier beginnen die Löhne oft erst bei CHF 6'000.– und gehen deutlich darüber hinaus.
Für die FaGe ist oft der Weg an die Höhere Fachschule (HF) zur Pflegefachfrau HF der logische nächste Schritt, der sofort in eine neue Lohnklasse (Start oft ab CHF 5'800.– bis 6'200.– Basis) führt. Aber auch Spezialisierungen in der Langzeitpflege oder Wundmanagement zahlen sich aus.
Fazit: Verhandeln ist Pflicht
Sowohl FaGe als auch MPA sind 2026 Berufe mit Zukunft und Sicherheit. Der Lohnabstand zwischen den beiden hat sich verringert, da der Mangel an MPAs die Praxis-Löhne nach oben getrieben hat. Wer die Wahl hat, entscheidet sich heute weniger wegen des Geldes, sondern wegen des Lebensstils: Möchte ich die Action und die Zulagen des Spitals (FaGe) oder die geregelten Zeiten und die enge Patientenbindung der Praxis (MPA)? In beiden Fällen gilt: Akzeptieren Sie nicht das erste Angebot. Sie sind eine gesuchte Fachkraft.