Temporärarbeit in der Pflege: Vor- und Nachteile für "Springer"

Pflegefachpersonal Publiziert 13/05/2026

Temporärarbeit in der Pflege: Vor- und Nachteile für

Der Fachkräftemangel im Schweizer Gesundheitswesen ist allgegenwärtig: Spitäler, Alters- und Pflegeheime sowie Spitex-Organisationen suchen händeringend nach qualifiziertem Personal. In diesem Umfeld hat sich ein Arbeitsmodell etabliert, das besonders bei jüngeren Pflegefachpersonen immer beliebter wird – die Temporärarbeit als sogenannte "Springer". Wer flexibel arbeiten möchte, regelmässig neue Institutionen kennenlernen und einen attraktiven Stundenlohn schätzt, findet hier spannende Perspektiven. Doch das Modell hat auch Schattenseiten. Dieser Beitrag zeigt Ihnen die wichtigsten Vor- und Nachteile sowie rechtliche und finanzielle Aspekte, damit Sie eine informierte Entscheidung treffen können.

Was bedeutet "Springer" und Temporärarbeit in der Schweizer Pflege?

Als "Springer" oder Temporärmitarbeitende werden Pflegefachpersonen bezeichnet, die nicht direkt bei einem Spital, Heim oder einer Spitex angestellt sind, sondern bei einer Personalverleihfirma. Diese vermittelt Sie tage-, wochen- oder monatsweise an unterschiedliche Einsatzbetriebe – sei es das Universitätsspital Zürich, ein Pflegeheim in Bern, eine Klinik in Lausanne oder eine Reha-Einrichtung im Tessin.

Rechtlich basiert das Modell auf dem Arbeitsvermittlungsgesetz (AVG) sowie dem Gesamtarbeitsvertrag Personalverleih (GAV Personalverleih), der für allgemeinverbindlich erklärt wurde. Dieser regelt Mindestlöhne, Ferienanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und weitere Schutzbestimmungen. Das heisst: Auch als Springer geniessen Sie klare arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen, die deutlich über den Schutz früherer Jahre hinausgehen.

Typische Einsatzgebiete sind Akutpflege, Langzeitpflege, Psychiatrie, OPS, Anästhesie sowie zunehmend die Spitex. Besonders gefragt sind dipl. Pflegefachpersonen HF/FH, FaGe sowie spezialisierte Funktionen wie Intensiv- oder Notfallpflege.

Die Vorteile: Flexibilität, Lohn und Erfahrungsvielfalt

Für viele Pflegende ist die Temporärarbeit ein bewusster Karriereschritt – aus guten Gründen:

  • Höherer Stundenlohn: Temporärmitarbeitende in der Pflege verdienen je nach Funktion, Region und Erfahrung häufig zwischen 5 und 20 Prozent mehr pro Stunde als Festangestellte. Pikett-, Nacht- und Wochenendzuschläge sind transparent geregelt. In Zürich oder Genf liegt der Stundenlohn für dipl. Pflegefachpersonen HF nicht selten zwischen CHF 45 und CHF 60.
  • Maximale Flexibilität: Sie entscheiden, wann, wo und wie lange Sie arbeiten möchten. Längere Auszeiten, Reisen oder die Vereinbarkeit mit Familie und Studium werden so deutlich einfacher.
  • Vielfalt an Einsatzorten: Innerhalb eines Jahres lernen Sie verschiedene Institutionen, Teams und Pflegekulturen kennen – ein enormer Erfahrungsschatz, der Ihr Bewerbungsdossier langfristig wertvoll macht.
  • Wenig administrative Verpflichtungen: Kein Vereinsamen in Sitzungen, keine internen Projekte, kein Druck zur Qualitätszirkel-Mitarbeit. Sie konzentrieren sich auf das, was zählt: die direkte Pflege am Menschen.
  • Berufliche Standortbestimmung: Viele Springer nutzen die Phase, um herauszufinden, welche Institution oder welcher Fachbereich langfristig zu ihnen passt – manchmal mündet ein Einsatz in einer Festanstellung beim Wunscharbeitgeber.

Die Nachteile: Weniger Sicherheit und Teamzugehörigkeit

So attraktiv das Modell wirkt – die Schattenseiten sollten Sie kennen, bevor Sie sich entscheiden:

  • Geringere Planungssicherheit: Einsätze können kurzfristig abgesagt oder verlängert werden. Wer ein stabiles Einkommen für eine Hypothek oder grössere Anschaffungen braucht, stösst hier rasch an Grenzen.
  • Fehlende Teamintegration: Sie kommen, leisten Ihre Schicht und gehen – tiefe kollegiale Beziehungen, langfristige Projekte oder das Mitgestalten von Stationsabläufen entfallen weitgehend.
  • Höherer Einarbeitungsaufwand: Jede Institution hat eigene Dokumentationssysteme (z. B. Phoenix, Nexus, Polypoint), Medikamentenprozesse und Notfallkonzepte. Sie müssen sich immer wieder neu orientieren – oft in sehr kurzer Zeit.
  • Eingeschränkte Weiterbildung: Während Festangestellte regelmässig interne Schulungen, Mentoring und Fachkurse erhalten, müssen Springer ihre Weiterbildung meist eigenverantwortlich organisieren und finanzieren.
  • Soziale Komponente: Wer Wert auf ein "zweites Zuhause" am Arbeitsplatz legt, leidet im Springer-Modell oft. Auch das Gefühl der "Aussenseiterrolle" kann je nach Station belastend sein.

Finanzielle und rechtliche Aspekte: AHV, BVG und mehr

Ein oft unterschätzter Punkt sind die langfristigen finanziellen Auswirkungen. Auch wenn der Stundenlohn höher ist, gilt es genau hinzusehen:

  • AHV/IV/EO: Beiträge werden auch im Temporärverhältnis abgeführt – hier gibt es keine Lücken, solange Sie regelmässig arbeiten.
  • Pensionskasse (BVG): Der GAV Personalverleih sieht eine obligatorische berufliche Vorsorge ab einem bestimmten Stundenlohn und einer Mindesteinsatzdauer vor. Bei häufigen Wechseln und Pausen entstehen jedoch leicht Vorsorgelücken. Lassen Sie sich von Ihrer Personalverleihfirma die konkreten BVG-Bedingungen aufzeigen.
  • Ferien und 13. Monatslohn: Diese werden im Stundenlohn aufgerechnet (in der Regel rund 8,33 % bzw. 10,64 %). Wer nicht diszipliniert spart, hat in den Ferien plötzlich kein Einkommen.
  • Krankentaggeld und Unfallversicherung: Sind im GAV geregelt, die Konditionen variieren jedoch zwischen den Verleihfirmen.
  • Steuern: Bei mehreren Arbeitgebern im Jahr kann die Steuererklärung komplexer werden. Eine frühzeitige Beratung lohnt sich.

So finden Sie die richtige Temporärfirma

Die Wahl der Personalverleihfirma ist entscheidend für Ihre Zufriedenheit als Springer. Achten Sie auf folgende Kriterien:

  • Bewilligung: Die Firma muss eine offizielle Bewilligung des SECO bzw. des kantonalen Arbeitsmarktamts besitzen. Dies ist bei seriösen Anbietern selbstverständlich.
  • Spezialisierung auf Gesundheitswesen: Anbieter mit Fokus auf Pflege kennen die Anforderungen, sprechen Ihre Fachsprache und haben belastbare Kontakte zu Spitälern und Heimen in Ihrer Region.
  • Transparenz beim Lohn: Lassen Sie sich eine klare Lohnaufstellung zeigen – Stundenlohn, Zuschläge, Ferien- und 13.-Monatslohn-Anteil, BVG-Abzüge.
  • Persönliche Betreuung: Eine feste Ansprechperson, die Ihre Wünsche kennt und Sie nicht als austauschbare Nummer behandelt, ist Gold wert.
  • Faires Feedback- und Bewertungssystem: Gute Firmen holen sich nach Einsätzen Rückmeldungen ein und nutzen diese für Ihre weitere Entwicklung.
  • Weiterbildungsangebote: Einige Verleihfirmen bieten Kurse (z. B. Reanimation, Medikamentenmanagement) kostenlos oder vergünstigt an – ein klares Plus.

Für wen eignet sich das Springer-Modell?

Temporärarbeit ist kein Modell für alle – aber für die richtigen Personen ein echter Gewinn. Besonders geeignet ist sie für:

  • Pflegefachpersonen mit mehrjähriger Berufserfahrung, die selbstständig arbeiten und sich rasch in neue Teams einfinden können.
  • Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger, die unterschiedliche Bereiche ausprobieren möchten, bevor sie sich festlegen.
  • Personen in Lebensphasen mit besonderem Flexibilitätsbedarf – etwa wegen Familie, Weiterbildung, Reisen oder Pflegeverpflichtungen gegenüber Angehörigen.
  • Erfahrene Fachkräfte kurz vor der Pensionierung, die ihr Pensum schrittweise reduzieren wollen.
  • Berufseinsteigende mit klarem Plan: Wer bewusst verschiedene Institutionen kennenlernen und dann gezielt eine Festanstellung anstreben möchte.

Weniger geeignet ist das Modell, wenn Sie Wert auf langfristige Teamzugehörigkeit, kontinuierliche fachliche Entwicklung innerhalb einer Institution oder ein konstantes, gut planbares Monatseinkommen legen.

Fazit: Eine Chance mit klarem Kompass

Die Temporärarbeit in der Pflege bietet in der Schweiz attraktive Chancen: höherer Lohn, Flexibilität und ein breiter Erfahrungshorizont. Gleichzeitig erfordert das Modell Selbstdisziplin – insbesondere bei der Vorsorge, der finanziellen Planung und der eigenen Weiterbildung. Wer die Vor- und Nachteile kennt, eine seriöse Personalverleihfirma wählt und seine berufliche Situation regelmässig reflektiert, kann als Springer in der Pflege eine sehr erfüllende und lukrative Phase erleben.